Zugeschneiter Schemmerbach… und ein Tor in neue Welten?

März

Übergangszeit

von Robin

Nun ist der Prototyp vorbei. Vor genau fünf Monaten sind wir in die Fuchsmühle eingezogen für eine Phase des Ausprobierens: zusammen mit 12 Menschen unter einem Dach, mit einer gemeinsamen Vision und der Frage: können wir uns vorstellen hier miteinander in Gemeinschaft zu leben, uns zu beheimaten und miteinander an einer zukunftsfähige, regenerativen Region zu wirken?

In den fünf Monaten haben wir uns kennen- und lieben gelernt. Wir haben gewerkelt, gekämpft, gekuschelt uns die Haare gerauft, sind aneinander verzweifelt und haben uns wieder versöhnt. Wir haben uns angezickt und getröstet, gehalten und abgestoßen, wir sind verschmolzen, haben uns verloren, vergessen und wieder gefunden und sind dabei mehr zum (w)ich gereift.

Die letzten zwei Wochen des Prototypen – nachdem der ökologische Zyklus vorbei war – haben wir uns eine „Übergangszeit“ gestaltet, also der bewusste Versuch ein Resümee zu ziehen. In der Zeit hatten wir Räume der Reflexion, der Rückschau, aber auch der Planung nächster Schritte. Luisa hat uns ganz individuelle Reflexionsheftchen gebastelt in denen wir unsere Erkenntnisse anhand einer Vielzahl anregender Fragen festhalten konnten; es gab eine Medizinwanderung, bei der einige von uns einen ganzen Tag Inspiration für die nächsten Schritte in der Natur gesucht hat; wir haben uns tiefer mit den Prinzipien unseres Gemeinschaftslebens auseinandergesetzt; und wir hatten zwei begleitete Wochenenden, auf die ich hier näher eingehen will.

 

Besuch von Johannes-Peter

Zwischen dem 19.02. und 21.02. war Johannes Peter zu Besuch – ein gemeinschaftserfahrener Gestalttherapeut und Prozessbegleiter. Er sollte uns dabei helfen „aufzuräumen“. Über die Monate sammeln sich in jeder Gemeinschaft Themen an, die zu Stagnation fühlen, wenn sie nicht bewegt werden – so wie ein wachsender Sumpf, in dem man irgendwann steckenbleibt. Eine externe Begleitung wird dann wichtig, weil sie innerlich Raum schafft, um die eigenen Dynamiken überhaupt zu erkennen. Das lässt sich vergleichen mit den Schiebepuzzeln für Kinder, wo das Ziel ist, die Zahlen in die richtige Reihenfolge zu schieben. Um das zu tun braucht es ein freies Feld. Die Rolle der Prozessbegleitung ist genau das: ein freies Feld anzubieten, damit sich Themen in der Gemeinschaft bewegen können, die andernfalls feststecken würden.

Ein wesentliches Thema für das Wochenende: Fragen rund um Ausschluss und Zugehörigkeit. Wer hat die Macht andere auszuschließen? Wer fühlt sich eher von Ausschluss bedroht als andere?  Wir haben unter anderem eine Aufstellung gemacht, bei der wir uns selbst als Teil dieser Dynamik einschätzen konnten. Sich mit den eigenen Ängsten zu zeigen hat viel Mut erfordert aber letztlich auch das Vertrauen in der Gruppe gestärkt.

Ein Bild das an dem Wochenende entstand, ist das der „gesunden Teilung“ anstatt der „ungewollten Spaltung“. Der Unterschied liegt darin, sich bewusst für eine Trennung zu entscheiden im Wohle aller Beteiligten statt eine Spaltung stattfinden zu lassen, die durch ein genervtes „Abstoßen“ passiert, aus der Unfähigkeit oder den Unwillen heraus die andere Person zu verstehen oder zu akzeptieren wie sie ist. Wir sind offen für eine Teilung – so wie ein Baum jedes Jahr neue Äste ausbildet, die in unterschiedliche Himmelsrichtungen wachsen. Dieser Prozess passiert langsam und kann nicht forciert werden. Und er bedarf mehr Geduld und Vertrauen als einen Ast einfach abzubrechen. Ob und wie sich die erste Keimzelle der „Region im Wandel“ teilt wird sich in den nächsten Monaten zeigen.

 

  Prinzipien- und Projekteschmiede mit Karin Walther

Am zweiten Wochenende unserer Übergangszeit hatten wir Karin zu Besuch – sie kam zwar nicht physisch vorbei, war aber auf einem großen Monitor das ganze Wochenende in unserem Kreis dabei. Wir hatten sie eingeladen, um konkreter zu werden im Bezug auf unsere Vision für die Region im Wandel. Am ersten Tag sind wir eingetaucht in Themen, bei denen besonders hohes Konfliktpotenzial und Dringlichkeit für Austausch bestand. Ein besonders strittiges Thema war die Frage inwieweit wir als Region im Wandel die Haltung von Tieren fördern, akzeptieren oder ausschließen wollen. Hierzu mehr in Tabeas vorigem Newsletter. Am zweiten Tag ging es in die konkrete Projekteplanung.  Aus dem Workshop sind viele konkrete Projektideen hervorgegangen, die über die nächsten Monate verfolgt werden. Beispiele sind ein Mitgliederbioladen, die Planung für eine Helfer*innenwoche zum Mühlenausbau, ein Kulturelle Landpartie zusammen mit der Oya, ein Samstags-Café und eine Pilzzucht. Für die weitere Ausarbeitung von Prinzipien für die „Region im Wandel“ hat sich eine Arbeitsgruppe gegründet, um einen ersten Vorschlag auszuarbeiten.

 

Gemeinschaftsvernetzung

Eine weitere Aktivität, die stattgefunden hat, ist die Vernetzung mit weiteren Gemeinschaftsinteressierten Personen. Bei einem ziemlich spektakulären Auftakt sind wir mit 85 Teilnehmenden in einen Austausch gegangen – in 15 parallelen Räumen, in denen jeweils auch eine Person der Fuchsmühle anwesend war. Viele inspirierende Gespräche wurden so dank der modernen Technik möglich! Wir waren überwältigt von dem Interesse an unserer Gemeinschaft und freuen uns, dass sich so viele Menschen auf den Weg machen und auch in Gemeinschaft leben wollen.

 

Waldkappelzoom

Wir hatten unser erstes öffentliches Gespräch mit Leuten aus Waldkappel! Circa 15 Personen sind der Einladung gefolgt und in Break-Out-Räumen konnten wir uns besser kennenlernen und Ideen austauschen. Es war eine schöne Möglichkeit auf diese Weise auf während Corona neue Kontakte zu knüpfen.

 

Wie geht es nun weiter?

Im März ist Gemeinschaftsurlaub. Wir wollen Abstand von unseren Prozessen gewinnen, Dinge sacken lassen, neue Perspektiven entstehenlassen, bevor wir im April mit frischem Wind so richtig durchstarten wollen. Dann können wir hofffentlich bald auch das erste Mal unsere Pforten für Besuch & Veranstaltungen öffnen! Wir freuen uns auf euch!

 

Eure Fuchsmühle

Wilde Sammlung von Projektideen für dieses Jahr

Ernte der Gemeinschaftsvernetzung: über drei Runden haben wir die Teilnehmer*innen, gefragt wonach sie sich sehen, welche Themen sie im Bezug auf Gemeinschaft beschäftigen und was sie sich von uns wünschen. Hier in voller Größe. Danke für die tollen Antworten!

Unser Hauseichhörchen Herbert.

Fotos

Die erste Fuhre Gartenkompost. Damit unsere Beete wachsen und gedeihen!

Geburtstagsparty von Tabea. Mit Kostümen und Schnitzeljagd in der Mühle.

Brunch mit Quiche mit krosser Tofu-Hirse-Lauch-Füllung.

Holzhackschnippsel für die Wege. Im Hintergrund wird ein Aufsteller für die Kommunalwahl der Grünen gestaltet. Dort sind auch einige von uns im neu gegründeten Kreisverband tätig und beteiligen sich am Wahlkampf für die Kommunalwahl am 14.03. 

Luisa restauriert die Mühlenfenster für unser künftiges Atelier.

März

Die ökologische Vision. Eine Veganismus Debatte.
Lebendiges Feuer im WICH.

Hallo ihr,

es ist Anfang März. Die warmen Sonnenstrahlen locken uns raus in den Garten. Endlich geht’s im Garten los! Das Bachrauschen und Vogelgezwitscher begleiten uns bei unseren Besprechungen, beim Graben, beim Sonnenbad.  

Der Prototyp ist vorbei und etwas Neues fängt an. Etwas für immer…? Da kribbelt es, aber darüber werdet ihr in einem anderen Newsletter mehr erfahren.

Ich möchte euch noch etwas vom ökologischen Zyklus erzählen, der von Mitte Januar bis Mitte Februar ging. In dieser Zeit ist inhaltlich und in unserem WICH viel passiert. Es gab eine Entscheidung – im wahrsten Sinne des Wortes – zu fällen, nämlich unsere Fichten. Fällen: Ja, Nein, wie radikal? Und auch über das Gärtnern gab es immer mal wieder verschiedene Ansätze und Auseinandersetzungen. Das kennen sicherlich einige von euch. So viele Menschen, wie es gibt, so viele Wege gibt es wohl, wie ich an etwas herangehe. Doch das brisanteste Thema dieser Zeit: die Auseinandersetzung mit Tierleid / Tierwohl und die Frage danach, ob und wie wir Tiere in unser Wirken mit einbeziehen. Die Spannungen rund um dieses Thema halten an – führt es zu einer Teilung, Trennung oder gar Spaltung der Füchs_innen?

 

Um im Garten die Herangehensweisen „Einfach drauf los buddeln“ und „perfekt geplanter Garten“ beide zu ermöglichen versuchen wir uns dafür eine Struktur zu geben. Grundlage dafür ist der Gartenplan, den wir mit einem Permakultur-Design erstellt haben.

Dafür haben wir auch einen Freund und Permakulturdesigner zu Rate gezogen, der seinen Blick auf unseren Garten geworfen hat. Wie ist der Ist Zustand? Wo ist Schatten, wo sind windgeschützte Orte? …

Bei uns spielt sicherlich Wasser eine außergewöhnliche Rolle. Der Schemmerbach angrenzend an unseren Garten rauscht derzeit mit voller Inbrunst daher. Der tauende Schnee von den Bergen findet hier einen Weg. Auch bei uns unten in der Mühle ist, ja wenn wir es nicht abpumpen, dann ist da ein kleiner See. Es war sogar so kalt, dass wir darauf rumrutschen konnten. Was sagt uns das also? Nun, wenn wir einen Garten anlegen wollen, dann müssen wir nochmal prüfen und überlegen, wie es um unsere Staunässe steht. Unser Permakulturdesigner hatte dafür schon geeignete Lösungen parat. Wir haben hin und herüberlegt, welche Elemente wir im Garten haben wollen, wo sie am besten ihren Platz finden, und darauf geachtet, dass ein Element möglichst viele Funktionen erfüllt. Ein Weidendom, ein Waldgarten, eine Draußenküche…..mal schauen, was wir dieses Jahr schon in die Realität umsetzten. Auf jeden Fall haben einige von uns Lust auf Gemüseanbau.

Hier gibt es noch einen kleinen Text über das Gärtnern und Brennnesseln, der im Oktober entstand. Er spricht ebenfalls vom Ausprobieren, Scheitern und welche Lösung ist denn nun die beste unter Berücksichtigung dieser Komplexität?

Das Thema Tierleid / Tierwohl ist allerdings derzeit der größte Knackpunkt. Dabei geht es inhaltlich um folgende Fragen: Bedeutet Tierhaltung immer Tierleid? Kann ich durch eine liebevolle Beziehung zu Tieren das Tierwohl stärken? Brauche ich für eine Kreislaufwirtschaft aus landwirtschaftlicher Perspektive derzeit Tiere?

Einerseits gehören Tiere zu einem gesunden Ökosystem dazu, fördern die Biodiversität und Bodenfruchtbarkeit. Dazu gibt es hier einen sehr spannenden Artikel, der mir wirklich eine neue Perspektive gab. 

https://lesen.oya-online.de/texte/3031-die-grasfresser-wieder-zu-landschafts-gaertnern-machen.html

Ich denke die Balance ist hier entscheidend. Eine vegane Ernährungsweise ist derzeit sicherlich eine der effizientesten Beiträge, um den Klimawandel und das Artensterben zu reduzieren. So viel nur kurz zu den ökologischen Zusammenhängen unserer Ernährung und der Landwirtschaft. Ein weiterer Aspekt ist die Beziehung zu Tieren. Für einige Menschen sind es wichtige Beziehungswesen. Herrschen wir über Tiere, wenn wir sie halten? Ist das schlimm? Wenn ja, wer bestimmt, dass es schlimm ist? Dazu eine Perspektive über Speziesismus: https://www.agespe.org/

Ich denke mir

Ohne Leben kein Tod

Ohne Tod kein Leben

Wenn ich eine wirklich liebevolle Beziehung zu Tieren aufbaue, wie kann ich sie dann essen? Oder gilt es ein Annehmen, dass Tod zum Kreislauf dazugehört?

Totes Leben

Lebendiger Tod

Ich bin Mensch und gestalte.

Ich bin Mensch und kann Lebendigkeit fördern.

Ich bin Mensch und habe die Kraft zu verändern.

Ich bin Mensch und habe die Kraft zu zerstören.

Unter welchen der Punkte gehört dann Tierhaltung? Beziehung zu Tieren kann von Tierleid zu Tierwohl übergehen?! Nun klar ist, dass wir hier nicht von Massentierhaltung sprechen, sondern von neuen Wegen, die Tiere mit in den Kreislauf des Lebens mit einzubeziehen. Ja, wir sind in einer Interdependenz nicht nur zu Menschen, sondern auch zu Tieren.

Ich blicke tief in die Augen einer Kuh, die direkt neben unserer Mühle grast. Ruhe kehrt in mir ein. Kann ich ihr auch etwas geben, dass sie schätzt? Bin wirklich nur ich Nutznießerin ihres Lebens? 

Einige sind überzeugt, dass vegane Landwirtschaft der Weg ist. Andere sagen es braucht die Vielfalt an Wegen; vegan und nicht vegan und ein Ausprobieren, welcher Weg umsetzbar ist. Welcher Weg der Landwirtschaft ist nun der richtige? Ist das die richtige Frage?

Zwischen uns herrscht Spannung.

Offenheit gegenüber verschiedenen Ansätzen scheint auszuschließen?

Ausgrenzung gegenüber verschiedenen Ansätzen scheint die Offenheit auszuschließen?

Worum geht es wirklich?

In der Entscheidung geht es nicht mehr oder minder darum: Kann ich da mitgehen oder sehe ich mich nicht unter dem Dach der Region im Wandel? Welche Konsequenzen werde ich ziehen, sollte eine solch grundlegende Entscheidung nicht nach meinen Vorstellungen getroffen werden?

Es ist wackelig.

Die ökologische und tierwohlorientierte Ausrichtung ist für manche der entscheidende Punkt, ob sie sich hier überhaupt zugehörig fühlen, während es für andere entscheidend in ihrer Wirksamkeit ist, Projekte mit Tieren umzusetzen.

Die Konflikte gehen tief auf die zwischenmenschliche Ebene. Wir versuchen uns bei Konflikten nicht wegzuschauen und nicht Macht über andere auszuüben, sondern durch die Konflikte in Verbindung kommen und daran wachsen. In diesem Konflikt geht es um Offenheit, Zugehörigkeit, Akzeptanz von Diversität, Toleranz und Abgrenzung. Es geht um Machbarkeit; Realismus und Idealismus treffen sich hier. Es scheint ein Ausschlussthema, ein Dilemma zu sein. Wir haben viel Zeit und Energie verwendet uns inhaltlich auszutauschen, uns zu verstehen, warum wir was wollen. Wir haben uns eine Supervision von außen dazu geholt, um zu schauen, was es braucht. Wir haben eine Moderation von außen gehabt. Ja, die Spannungen und Intensität waren sehr hoch. In mir ist da eine Angst, dass ich Leid und Schmerz bei der anderen Person auslöse, auch wenn ich weiß, dass ich nicht für die Gefühle der anderen Person verantwortlich bin. Eigentlich auch schön, dass wir so mitfühlende Wesen sind. Wenn ich auf meine Gefühle während der Prozesse schaue bin ich erschöpft.

Wie treffen wir jetzt eine Entscheidung?

Sie ist noch offen….

Eine Kleingruppe bereitet derzeit einen Vorschlag mit Prinzipien / Handlungswegweisern vor, wie wir die Ausschluss-Perspektiven vielleicht doch nebeneinander stehen lassen können, um weiterhin konstruktiv mit der Entscheidung umzugehen, ohne in unserer Entscheidung zu stagnieren. 

Die Erschöpfung kommt auch daher, dass wir unsere Entscheidungskultur gerade noch am Entwickeln sind. Ein großes Lernfeld. (Dazu, mal wann anders mehr).

Anhand der Konflikte rund um den Bereich Ökologie können wir viel lernen. Ja, dabei fällt mir immer wieder auf. An der Natur werden die Konflikte der Menschen sichtbar. Messbar. Und externalisiert natürlich. Die Komplexität des Ökosystems, wer versteht die denn schon wirklich? Viel Nicht-Wissen. Viel Halb-Wissen. Viel Wissen. Müssen wir alles wissen und verstehen? Ist ein Kern des Problems nicht eher unser Getrennt-Sein vom Ökosystem, unser Nicht-Wahrnehmen unser Nicht-Teil fühlen. Wir leben in Städten in Asphalt ohne jemals gesehen zu haben, wie die Felder bestellt werden. Ohne jemals gesehen zu haben, wie die Kühe auf der Weide grasen oder im verschlossenen Stall ihr Dasein leben. Ohne jemals einen Bauern kennengelernt zu haben, der für unsere Lebensgrundlage Verantwortung übernimmt.

Und trotzdem bleibt die Frage, wie entscheiden wir uns jetzt hier?

Wie ich so die Vögel vor unserem Haus beobachte, wünsche ich mir auch so flink zu sein. In mutigen Sturzflügel kopfunter zu brausen, um im nächsten Moment wieder die Richtung zu ändern, und in meine volle Größe zu gehen mit offenen Armen.

Lebendigkeit ist sicherlich ein wichtiger Aspekt, um gute Entscheidungen zu treffen.

Wenn ich diese Komplexität des Ökosystems nun auf das WICH, auf unsere Gemeinschaft betrachte, haiaiai. Unser Dasein hier ist noch viel komplexer zu beschreiben. Ja der Teppich des WICHs verwebt sich, manchmal entstehen lose Fäden, die ihren Platz noch suchen, manchmal entsteht eine kunterbunte Masche, manchmal eine weiße, mit Weite und Raum für Neues, manchmal eine braune, die gerade nicht weiß, was welche Farbe sie haben möchte. Die Veränderungen unseres Seins, sind wohl schwerer sichtbar als die einer Pflanze.

Wo stehen wir gerade als Gemeinschaft? Ein verwobener Teppich oder ein Schrank, der der Form eckig anpasst, um ein Teil zu sein, um zu passen?

Ja, der Prototyp ist abgeschlossen. Wir wollen die erste Märzwoche Urlaub zu Hause machen und den März über individueller immer mal wieder unterwegs sein. Im April wird es dann einen erneuten Auftakt geben.

Die Vögel locken mich wieder raus, um weitere Weiden einzupflanzen, die uns als Sichtschutz dienen sollen.

Es bleibt spannend…

Liebste Grüße

Tabea und die Füchs_innen

P.S. Natürlich ist der Text aus meiner Perspektive geschrieben und andere Mitglieder der Gruppe würden etwas anderes schreiben.

Februar

Die Dorflinde

Ich seufze wohlig-berührt, feine Tränen sammeln sich in meinen Augen. Mein Herz kribbelt warm. In meiner Kehle steckt ein Jauchzer fest. Ein Blick, der mehr als 1000 Worte sagt. Ich sitze am Esstisch in der Küche, die Hannah gerade verlassen hat. In unserem Blickaustausch: eine Prise schelmische Ironie, eine Prise Verliebt-Sein und ganz viel wissende Zärtlichkeit darüber, dass wir noch ganz am Anfang stehen von all den Gesprächen, die noch zu führen sind und gleichzeitig doch schon klar ist, welche Kraft und Stärke aus unserer Verbindung erwächst.

Wir hatten heute ein Konfliktgespräch. Auslöser war ein Video gewesen, das ich gerade mit Felix aufnehmen wollte. Hannah und Luisa hatten lautstark Einwände erhoben, dass zwei männlich gelesenen Personen die Fuchsmühle vorstellen wollten.

 

In dem Moment als sie ihre Bedenken äußerten, saßen Felix und ich erstmal erstarrt auf dem Sofa. Ich wusste, dass sie Recht hatten, aber war trotzdem nicht einverstanden. Dann fragt Luisa, wie es uns geht. Felix kann sich aus der Erstarrung ein „ich-brauche-gerade-noch-´nen-Moment“abringen. Mir geht es genauso. Alles was ich jetzt sagen würde wäre reaktiv und nicht konstruktiv. Nach einigen Minuten schmilzt die Erstarrung und wir beginnen uns mitzuteilen: „Als ihr uns gestoppt habt war das wie ein Schlag ins Gesicht meiner Lebendigkeit“ bringe ich hervor “nicht direkt durch euch, sondern vielmehr in meiner Erinnerung.“ Luisa fragt nach: „durch wen dann?“ ich zögere, die Antwort ist direkt da, kommt mir aber zu abstrakt vor. „der Gesellschaft.“ Ich spreche es aus und werde direkt traurig; spüre, dass Wahrheit in meinen Worten liegt. Ich fühle mich darin gesehen. Luisa spricht über die Erfahrung als weiblich sozialisierte Person permanent der eigenen Lebendigkeitberaubt zu werden. Ich bekomme ein Gefühl für die sexistischen Strukturen, in denen ich und wir uns noch immer befinden – eine Ahnung davon, wie tiefgreifend diese Prägung ist.

Dann äußert sich Hannah. Eigentlich wollte sie Felix und mich wertschätzen, allerdings platzt ihre Wut unvermittelt hervor. „partiarchale Muster“ seien das Thema worüber sie mit mir schon länger sprechen wolle. Sie setzt an, aber ich unterbreche sie bald und fordere eine Pause ein. Ich bin viel zu aufgewühlt um noch irgendetwas aufnehmen zu können. Hannah ist anzusehen, wie sehr sie sich zusammenreißen muss. „ganz schön bezeichnend oder“ sagt sie mit einem vorwurfsvollen Sarkasmus. Ich schlucke, irgendwie hat sie Recht. Felix interveniert. Wir einigen uns auf eine Pause. Erleichtert gehe ich raus, spaziere zu einer großen alte Linde.

 

Ich empfinde plötzlich unverhoffte Freude. Die Linde steht einfach da, mit ihrem gewaltigen Stamm und schenkt mir ein wohlwollendes, behütendes Nicken. Ich freue mich, zu meinen Grenzen gestanden zu haben und erahne, dass sich gerade eine wunderbare Möglichkeit eröffnet, mich einer ziemlich tiefen Angst zu stellen. Dort, angelehnt an die alte Linde, keimt in mir das Vertrauen, dass Hannah und ich uns trotz all der Wut und der Scham und all den vielen sexistischen Strukturen, die uns in den Knochen stecken, hören können.

Als Hannah und ich uns eine halbe Stunde später gegenübersitzen pocht mein Herz. Felix und Elena sitzen bei uns, um uns zu unterstützen. Ich habe Angst, mich selbst nicht mehr spüren zu können und meine Unsicherheit ist riesig. Was mir Halt gibt ist Felix, dem ich sage, dass ich mich festhalte, wenn es nötig sein sollte. Meine Hand ruht auf seinem Knie.

Hannah beginnt von ihrem Erleben zu Erzählen. Ich lasse mich zutiefst berühren von ihrer Verzweiflung darüber, dass sie immer wieder erlebt, wie ich ihre Wortbeiträge für nicht wichtig abtue und wie selbstverständlich ich Raum einnehme – und ich so einen sehr existenziellen Schmerz hervorrufe. Ich sehe sie darin, wie wütend es sie macht, dass ich meine Grenzen so klar ziehen kann und sie nicht. Was wir so oft in rationalen Diskussionen analysieren, die Maschine in der wir stecken, die patriachalen Muster und Strukturen, wurde mit einem Mal durch Hannahs Worte berührbar. Worüber ich schon viel geredet und gelesen hatte, sank tiefer in mich und machte mich traurig. Dort im Wohnzimmer, umgeben von all den Filmen, Worten, Erziehungsmethoden, Gesetzen, Traditionen und Bildern, die Sexismus reproduzieren, vergossen wir gemeinsam noch einige Tränen. Die Anerkennung machte uns ganz still. Wie wir dort auf dem staubigen Teppich saßen wuchs etwas Neues, Zartes und Lebendiges.

Januar

Übergänge

von Luisa

Nun sind wir wieder beieinander nach Tagen bei unseren Verwandten und anderswo. Nach Tagen voller Essen, Geschichten erzählen aus der Fuchsmühle, mit Fragen gelöchert werden und etwas Abstand gewinnen. Wir nannten es liebevoll „Gemeinschaftsurlaub“ und genossen alle das wegfahren und dann auch das wiederkommen.

Von unsichtbaren Händen, Gespenstern und Stille
Die letzten Wochen, seitdem ich zuletzt Worte für den Newsletter in die Tasten tippte, waren der ökonomischen Dimension der Transformation gewidmet. Wie prägt die Art, wie wir wirtschaften unser Zusammenleben? Welche Formen von Wirtschaft sind sichtbar, welche unsichtbar? Wie wollen wir uns ökonomisch hier auf dem Land aufstellen? Und wie kaufen wir nun eigentlich diese Mühle?

Der Monat begann in Stille. Wir nahmen uns drei Tage, die wir mehr oder weniger schweigend verbrachten, um mehr in die Leere zu kommen. Wie soll man auch sonst wieder etwas füllen, wenn wir alle permanent übervoll sind? Wir huschten leise aneinander vorbei in unserem Haus, das sonst immer mit Klängen gefüllt ist und mit Menschen, die beständig vor sich herplappern. Die Stille ließ uns tiefer sinken und brachte uns bei, dass wir manchmal gar keine Worte brauchen um einander zu verstehen. Vielleicht sind sogar weniger Worte manchmal mehr?

Dann mit einem improvisiertem Theaterstück, in dem die wesentlichen Akteure vertreten wurden: Die unsichtbare Hand kam vorbei, der homo oeconomicus, die klebrigen Schulden, das Geld mit verschiedenen Stimmen und Marx. Wir sammelten Themen und Fragen, die uns interessierten und luden Menschen ein, die uns digitale Vorträge gaben, zu denen wir auch Menschen andernorts einluden.

 

Vorlesungen im Wohnzimmer
Eine davon war Andrea Vetter, die uns etwas über feministische Ökonomie erzählte. Wir erforschten den Eisberg der Ökonomie, bei dem nur das sichtbar ist, was auf dem Markt getauscht wird (Lohnarbeit, Börsen ect.) und wo das unsichtbar bleibt, was wir als Sorgetätigkeit oder Naturproduktivität beschreiben. In unserem Zusammenleben wird oftmals Lohnarbeit als die eigentliche Arbeit angesehen und der rationale homo oeconomicus der sich um nichts sorgt und nicht umsorgt werden muss ist der Protagonist des derzeitigen Wirtschaftssystems.
Wir sprachen darüber, wie es uns selbst mit unseren Tätigkeiten im Haus und Hof geht. Übrigens war plötzlich wieder unser Hausgespenst, das Genderthema im Raum. Mit ihm freunden wir uns langsam an, auch wenn es uns diesem Monat wirklich oft erschreckte – aber dazu gleich mehr. Mehr über feministische Ökonomie könnt ihr hier lernen: https://www.youtube.com/watch?v=SI1zy3pDK0E

In der nächsten Woche luden wir Anil Shah von der Uni Kassel ein, der uns eine Übersicht über die Degrowth Bewegung gab. Degrowth oder Postwachtum beschäftigt sich mit Theorien, wie ein wachstumsbefreites Wirtschaften möglich sein kann. Auf einem begrenzten Planeten kann es kein unbegrenztes Wachstum geben, mehr dazu gibt’s hier: https://www.youtube.com/watch?v=p2WqmkCX5cs

Um Degrowth ging es auch bei einem Vortrag von Henning Austmann, der eigentlich BWL in Hannover lehrt. Er stellt sich gemeinsam mit dem Leuten aus seiner Region die Frage, wie ein regionaler Wandel in Richtung Degrowth aussehen könnte, hat auch schon viel umgesetzt und dafür einige Preise abgesahnt:
https://www.youtube.com/watch?v=v5_pOqdVi64

Vernünftiges und Unvernünftiges

Ihr seht: Wir werden immer klüger! Aber haben wir denn auch was Vernünftiges geschafft?

Ob es vernünftig ist oder nicht (oder können wir diese Wertungen mit dem homo oeconomicus gemeinsam begraben?), vieles ist auch ganz praktisch geschehen. Wir haben weiter an unserer Küche, den Schlafzimmern und dem Vorratslager gebaut, einen riesigen Haufen Brennholz gestapelt (erschreckende 14 Tonnen!), unseren Garten weiter angelegt, noch mehr Büsche geschnitten und fleißig Weihnachtsgeschenke gestrickt. Auch unser Verein ist nun endgültig eingetragen, sodass wir bald Spenden empfangen können. Außerdem wurde unsere Genossenschaftssatzung erfolgreich geprüft! Menschen können nun getrost ihr Geld bei uns parken, das haben wir nun schwarz auf weiß!

 

Aufregendes und aufregenderes

Am alleralleraller aufregendsten für uns war allerdings etwas anderes: Unser Crowdfunding. Schon allein der Prozess des Videos war ein Fest an Erkenntnissen und Lernerfahrungen und das Gespenst des Patriachats spukte nicht schlecht durch unsere Planungen. Wir lernten viel darüber, wie die Weise, in der wir weiblich oder männlich sozialisiert wurden, beeinflusst, wie wir unsere Ideen und unsere Zweifel in Prozesse einbringen. Dabei beobachteten wir, wie die männlich sozialisierten Menschen oft mehr gehört wurden und Frauen* ihre Ideen eher zurückstellten und sich klein machten. Es war ein wilder Tanz von Verantwortungsabgabe in den sich auch noch unterschiedliche Geschwindigkeiten und Arbeitsweisen mischten und am Ende lagen wir (einige von uns wörtlich) mit verknoteten Beinen am Boden und wussten nicht mehr weiter. Wir steckten fest im Sumpf des Spätpatriachats und vergossen viele Tränen der Scham und der Wut.

Wir haben das dann mit dem Patriarchat natürlich nicht gelöst. Aber die Wertschätzung für einander, sich unseren Prozessen zu zeigen war riesig und das Vertrauen in einander wuchs. Vielleicht ist das ja Teil der Lösung?

Mitten in diesem Chaos fand das alleralleraller aufregendste für uns statt: Wir luden all unsere Verwandten, unsere Freunde und die Menschen aus Waldkappel zu einer Videokonferenz ein, bei der wir uns mit unserer Vision vorstellten und den offiziellen Start für unser Crowdfunding einläuteten. Wir fühlten uns, wie bei einer Schulaufführung, übten noch bis zur letzten Minute unsere spontan zusammengebastelte Präsentation und kicherten im Bad vorm Spiegel, wo wir zur Freude unserer Mamas und Papas noch die Haare ordentlich kämmten. Dann waren tatsächlich fast 60 Menschen auf unserem Bildschirm versammelt und wir freuten uns riesig über den Rückenwind, das Wohlwollen und die ersten Absichtserklärungen für Genossenschaftsanteile.

DANKE!

Seitdem trudeln immer weiter Genoanteile ein, die stets mit viel Freude am Küchentisch oder in unserer Telegramgruppe bejubelt werden. Wir sind sehr berührt, dass auch Menschen, die wir kaum kennen ihr Geld bei uns parken wollen, wie viele Menschen unser Video in ihre Kanäle streuen und wir von Menschen von überall liebe Mails bekommen! Dank all den großen und kleinen Beiträgen haben wir nun fast 200 000 Euro zusammen und brauchen nur noch 80 000 um die Fuchsmühle im Februar kaufen zu können und erste Sanierungen zu machen! Wir freuen uns, wenn ihr unser Video in eure Netzwerke teilt! Vielleicht fallen euch auch noch Menschen ein, die ihr Geld gerne bei uns für eine Zeit unterstellen wollen? Erzählt gerne von uns, oder gebt uns Tipps & Feedback! Hier ist das Prachtstück: https://www.youtube.com/watch?v=vA_iJzKJnZM

Von so viel Aufregung waren wir alle ziemlich erschöpft und tauchten, bevor der kulturelle Zyklus losgehen sollte nochmal in die Müdigkeit, die Ernte und dann wieder die Stille ein. Diesmal roch die Stille anders: Nach Zimt, Nelken und veganem Hirsetiramisù. Und natürlich entstand aus ihr auch etwas ganz Neues. Aber davon erzählt dann jemand ein anderes Mal.

Zum Abschluss noch unser “theme song” für die letzte Zeit, “Slow Up on me” von Jacob Banks: https://www.youtube.com/watch?v=LsgNG-L6aw4

Wir hoffen ihr genießt die immer heller werdenden Tage!

Luisa

P.S.: Keine Ahnung, wie das hier mit den Kommentaren geht. Wenn ihr Gedanken gern mit uns teilen wollt, schreibt einfach an regionimwandel@riseup.net

 

Dezember 

Schritte im Schnee

von Luisa

Heute kam der Schnee zu uns. Irgendwie ist alles plötzlich stiller, sanfter und auch ein bisschen magisch. In unserem Haus wird das Tosen ruhiger, es formt sich ein Takt ein Rhythmus klingt durch die Zimmer und hilft uns nicht zu hasten. Das weiß strahlt in unsere Räume hinein und macht sie heller.

Es ist schnell hier, wenn wir nicht wissen, was wesentlich ist. Es ist schnell hier, wenn wir das Gefühl haben etwas ist sehr wesentlich. Es ist schnell hier, wenn wir uns nicht mehr fühlen können und an unseren Häuten rütteln, um nicht mehr so allein zu sein.

Wir halten unsere Hände, die manchmal ganz groß und manchmal ganz klein sind. Wir sprechen Worte, erheben die Finger, wir werfen uns Blicke zu, manche davon sind wesentlich. Auch an anderen Orten, sind sie da die Hände. Ich spüre sie in meinem Rücken beim Geld abheben in der Bank, auf meinem Kopf mit deiner Mütze, in meinen Worten und dem Takt in dem ich gerade meine Schritte. Auf die Erde setze. Eure Hände sind da.

 Dann sind! Wir müssen! Schnell! Feuer! Getrieben! Die Welt! Sei doch so und so! Retten! Jetzt! Die Zeit! Wir sind! Zu langsam! Drängt! Ich halte! Ich halte! Ich halte! Die Zeit! Den Schmerz nicht aus! Ich will nur noch rennen! In die Landschaften! Und brüllen! Nach dem Leben!

Der Schmerz ist groß. Ich lebe in dieser Zeit, hier und jetzt, mit der Haut und den Haaren die ich trage, trage ich auch das Erbe. Der Schmerz ist groß. Ich liebe die Erde. Es lässt mich zittern, es lässt mich unsagbar mutig werden, es lässt mich verstummen, es lässt mich fallen.

Dann kommt der Schnee. Und mein Klang wird so sanft wie der Schnee. Das Feuer bekommt seinen Platz in unserem Kamin.

Eigentlich dachte ich, diese Morgende im Schnee nie wieder zu erleben. Und tauche ein in eine Zeit, in der ich noch nichts von Kollapsen wusste und mir niemand sagte, während wir mit dem Auto in die Berge fuhren, dass die Zeiten von staunenden Morgenden im Schnee bald vorbei sein werden. Der weiße Morgen kommt mir wie ein verspätetes Geschenk vor. Ein alter Kinderfreund kommt nochmal um sich zu verabschieden. Wie oft wird er wohl noch kommen?

Wir setzen Schritte. In den Schnee.

November 2020

Es wird dunkel

von Luisa

Der Herbst ist nun mit seiner dunklen Seite bei uns angekommen. Die Kraniche flogen über unsere Mühle gen Süden und der große Walnussbaum trägt fast schon keine Blätter mehr. Gut, dass wir es so gemütlich haben!

Gründungsfreuden

Wieder ist viel passiert in den letzten Wochen! Nachdem wir erfolgreich unseren gemeinnützigen Verein gegründet haben, der vor allem für unsere Projekte in der Region den rechtlichen Rahmen bildet, geht die Genossenschaftsgründung in die heiße Phase. Wir sitzen mit rauchenden Köpfen über Finanzplänen und lernen viel über Abschreibungen, Bilanzen und Rücklagenbildung. Das hätten wir auch nicht gedacht, dass wir das mal für eine gesellschaftliche Transformation würden lernen müssen.

Sexismus und Apfelmus

Auch in unserer Küche wuselte es. Es wurden Martinshörnchen, Apfelstrudel, Zimtschnecken und Sauerteigbrot gebacken. Wir haben Kombucha gemacht, tonnenweise Apfelmus, milchsauer eingelegtes Gemüse und Schlehen wie Oliven eingelegt.

 

Nun geht unser erster Zyklus mit dem Neumond zu Ende, in dem wir uns viel mit der sozialen Dimension der Transformation beschäftigt haben. Aus diesem riesigem Feld spukte vor allem ein Thema in unseren Köpfen: Sexismus. Denn natürlich verschwinden nicht all die Prägungen, die wir in der sexistischen Gesellschaft, in der wir aufgewachsen sind, nicht, wenn Menschen beschließen in eine Gemeinschaft zu ziehen und sich nach Bedürfnissen zu organisieren. So stießen wir in der Küche, vor der Kamera, im Plenum, in den Arbeitsgruppen und an unserem Küchentisch auf die Hinterlassenschaften dieser strukturellen Gewalt. Privilegiert wie wir sind konnten wir uns auch einen ganzen Tagesworkshop mit Nora leisten, die uns für einen Samstag besuchte. Außerdem basteln wir in unseren Köpfen an einer Performance zum Thema „Männlichkeiten*“ und lesen und hören fleißig Artikel und Podcast zu dem Thema, das uns wohl für immer begleiten wird und fragen uns welche antisexistischen Strukturen wir in unserem Gemeinschaftsleben verankern können.

 

Wie machen wir das jetzt mit dem Wandeln?

Für ein Wochenende haben wir uns auch der Frage nach unserer politischen Strategie gewidmet. Wir gaben uns Input über verschiedene historische Beispiele sozialer Bewegungen und Strategieansätze und saßen zwischen großen Postern mit vielen vielen Post-it auf denen wir unsere Netzwerke kartierten. Im ökonomischen Zyklus werden wir dann aus den Ergebnissen dieses Wochenendes konkreter an Projekten feilen, mehr verraten wir hier noch nicht.

 

Never ending Einziehen

Neben diesen inhaltlichen Fäden, beschäftigt uns auch noch das Ankommen und Einziehen jeden Tag. Einige Kisten sind immer noch nicht ausgepackt, der Bau unserer Küche schreitet beständig voran, wir bekommen wunderschöne Möbel aus Hausauflösungen geschenkt, Thilda baut täglich irgendwelche grandiosen Dinge und die Organisation von unseren Sorgetätigkeiten wird immer ausgefuchster.

Wandernde Geschichten

Leider können wir nicht mehr zum lustigen Kaffeeklasch einladen, obwohl unsere Backkünste jeden Tag zunehmen. Die Zeiten des Abstands sind wieder da. Dabei haben wir uns doch vorgenommen auch bei jedem Zyklus etwas für die Region zu tun. Natürlich hätte im sozialem Zyklus ein Fest oder eine Zukunftswerkstatt angestanden, etwas was Menschen zusammen oder ins gemeinsame Visionieren bringt. Stattdessen wandern nun Briefe in Waldkappel umher, in denen Menschen eine Geschichte zum Weiterschreiben cokreieren: Alle schreiben einen Satz und geben die Geschichte an eine*n Nachbar*in weiter. Am Ende landen die Geschichten den hoffentlich bei uns, dann teilen wir sie gerne auch hier!

 

Landeplätze für Investitionen bereiten

Damit bald ganz viel Geld bei uns sicher geparkt werden kann, anstatt auf der Bank zu versauern, bereiten wir gerade unser großes Crowdfunding vor. Neben der Gründung unserer Genossenschaft brauchen wir dafür natürlich ein knackiges Video mit unserer Vision und viele Menschen, die uns bei sozialen Medien folgen. Deswegen waren viele von uns in den letzten Tagen damit beschäftigt unsere Geschichten in Kameras zu sprechen ohne uns zu verhaspeln, zu schneiden, Bilder zu posten und Nachrichten zu beantworten. Wir sind nun auf Facebook, Instagram und Youtube zu finden und haben außerdem einen Telegram Chanel Außerdem trudeln nun die ersten Spenden bei uns ein und lösen freudiges Gekreische beim Mittagsessen aus und unser Hütekreis wächst und wächst.

Herbstlichkeiten

Während ich diese Geschichten auftippe, scheint es mir, als würde ich von vielen parallelen Explosionen erzählen und manchmal fühlt sich das auch wirklich hier so an. Dann läutet unsere Glocke sieben Mal am Tag um irgendwelche Arbeitskreistreffen anzukündigen, dann kommt eine aufregende Mail nach der anderen in unser Postfach, dann freuen wir uns wieder uns wieder über die schönen Kontakte mit den Menschen hier und eine spannende Neuigkeit nach der anderen wird erzählt, während wir unsere Hirse löffeln.

Neben dieser Reizüberflutung und Schnelligkeit gibt es aber auch die stillen Momente. An nebeligen Morgen stapfe ich hinter unserem Haus über die Weiden und kann die Graureiher begrüßen, die mir schon ganz vertraut sind. Das gemeinsame Innehalten vor dem Essen, an denen wir uns an den Händen halten und die Abende an denen wir uns in dicke Decken kuscheln und Brüder Löwenherz vorlesen. Und manchmal bin ich ganz dankbar, dass der Herbst da ist und uns mit seiner Stille und Dunkelheit daran erinnert nicht zu vergessen den Herbst in uns ein Zuhause zu geben: Zeiten der Ernte, des Feierns, des einander Nährens und des Loslassens.

Luisa

Ein Loblied auf die Eckbank

Mein liebster Platz in Fuchsbau ist unsere Eckbank. Sie ist aus Eichenholz und auf ihr liegen eigens für sie geschneiderte Sitzkissen in blauen Karos. Sie steht in unserem immer warmen Esszimmer. Dort steht auch unser weißer Grundofen, auf den immer wieder Menschen ihre Hände legen wie auf einen alten tröstenden Freund.

Auf unserer Eckbank bin ich  gleichzeitig mitten im Geschehen und kann mich im richtigen Moment verstecken. Schon als Kind liebte ich es mitten im Geschehen und trotzdem verborgen zu sein. Saßen viele Menschen um unseren großen Tisch konnte ich ihnen die Hausschuhe klauen und sie an den schutzlosen Füßen kitzeln, sodass sie den Kartoffelbrei über den Tisch prusteten. Diese Leidenschaft kann ich jetzt unter unserem großen Eichentisch wieder entdecken. Der Tisch und die Eckbank waren übrigens schon da als wir einzogen. Sie standen da mit ihren 12 Plätzen und warteten auf uns, als wären sie nur dafür gemacht worden, dass eine Horde neugierige Gemeinschaffende sich auf ihnen nieder zu lassen.

Wenn ich an unsere Gemeinschaft denke, dann höre ich auch zuerst das Stimmengewirr in diesem Raum, in dem so vieles passiert. Die Wichtigkeit eines Plenums wirkt gar lächerlich, wenn man bedenkt welche Themen, Konflikte und Entscheidungen an unserem Küchentisch ausgetragen werden. Auch Gäste, Nachbarsleute und Freund*innen werden hier empfangen, es werden Geschichten erzählt, bis in die Nacht diskutiert, gelacht, geweint, gestritten, sich wieder versöhnt, geträumt, geplant und gefeiert. Der Küchentisch wird das Zentrum der Menschlichkeit. Ich darf es versteckt erforschen. Wie ein Forscherin hinter einem Busch ein neuartiges Wesen durch ihr Fernglas beobachtet, liege ich dort auf den karierten Kissen und lausche dem Stimmengewusel.

 

 

 

Oftmals sind uns diese informellen Räume nicht so wichtig. Sie sind das vergnügliche „Zwischendurch“, bevor dann das „Eigentliche“ in den Plena passiert: In Sozialplena, Orgaplena, Finanzplena und Arbeitsgruppen. Dort haben die gesprochenen Worte immer ein klares Ziel, sind strukturiert, lösungsorientiert und linear. Anders sind da dich Küchengespräche: Besprochen wird was gerade da ist. Es hat kein Ziel und die Gespräche bewegen sich meist kreisend, nicht-wissend, impulsgesteuert. Mal steht jemand auf und geht eine andere kommt und setzt sich dazu, irgendwann überkommt alle ein Gefühl von Ende und die Wege zerstreuen sich wieder. Wieder – wie wir das schon aus so vielen anderen Bereichen kennen – wird das rationale Plenumsgespräch bei dem es um Produktivität, Struktur und technische Absprachen geht dem nährendem, reproduktivem, prozessorientiertem, fließendem Küchentischgespräch übergeordnet.

Ich plädiere für eine Ehrung der Eckbank. Für die bewusste Wertschätzung der Räume in denen wir unkonzentriert, schlürfend, angekuschelt (das kann man nämlich auf Stühlen nicht, ein weiterer Punkt für die Eckbank!) das bewegen, was uns bewegt. Sie sind nicht der Füllstoff, der Zeitvertreib bis dann das Eigentliche passiert. Diese Räume sind das Wesentliche, was für mich Gemeinschaft ausmacht und was mich nährt. Sie sind das Zentrum in dem wir das pflegen und gestalten, was wir sind.

Oktober 2020

Lauschen und Landen

von Tabea

Jupdaduuu….wir sind am Landen, wobei vielleicht fliegen und schwirren wir noch vielmehr umher. Hier ist unser erstes Update seit unserem Einzug. Bei unserem Landeflug passiert vieles gleichzeitig. Einziehen, bauen, uns gegenseitig und die Umgebung kennenlernen, aktiv in unseren Arbeitsgruppen werden….Einen kleinen kreativen Einblick, könnt ihr im Video hier erhalten:

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Während ich hier im Esszimmer an unserem großen, vollgestellten Tisch sitze und es in der Küche brutzelt, höre ich wie draußen die Regentopfen an unsere Fenster schlagen, die darauf warten endlich gestrichen zu werden. Ich lausche eine Weile und freue mich, wie viel mehr noch zu hören ist in unserem frisch bezogenen Fachwerkhaus von 1900: Klaviergeklimper, Diskussionsgesumm, Papiergeraschel, Treppenschritte. Ich freue mich darauf, ins gemütliche Wohn- und Wirkzimmer zu den anderen zu gehen, weiter an unseren Vorhaben zu feilen, aus dem Fenster zu schauen und die Herbstfarben zu genießen.

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WAS BISHER GESCHAH

Am 01. Oktober sind wir mit 11 Personen in die Fuchsmühle eingezogen. Für die nächsten 5 Monate verschreiben wir uns einem “Prototypen” – einer Zeit, wo wir erproben gemeinschaftlich zu wohnen und zu wirken. Während dieses Zeitraums wollen wir eine solide Grundlage aufbauen, um hier in der Region tätig zu werden. Unter anderem wird es darum gehen, die rechtlichen und finanziellen Voraussetzungen für eine langfristige Gemeinschaft aufzubauen.

Außerdem widmen wir uns in dieser Zeit in fünf Zyklen jeweils einem Forschungsthema unter der Leitfrage: wie kann eine zukunftsfähige Region aussehen? Jeder Zyklus dauert 28 Tagen und orientiert sich sowohl an den Mondphasen als auch an den vier Dimensionen regenerativer Entwicklung des Global Ecovilage Network

01.10.-15.10.     —    Ankunft: Lauschen & Landen
16.10.-14.11.     —    Soziale Regeneration
15.11.-13.12      —    Ökonomische Regeneration
14.12. – 12.01.   —    Kulturelle Regeneration
13.01. – 10.02.   —    Ökologische Regeneration
11.02 – 27.02.    —    Ernte & Abschluss des Prototypen

Die ersten zwei Wochen waren dem Lauschen & Landen gewidmet. Anstatt Augen zu und drauf los, erstmal Augen und Ohren auf und trotz tausender To-Do´s horchen, was gerade wirklich wichtig ist. Das war nicht immer ganz einfach,

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